27.02.2019, 17:15 Uhr
 
Wohin geht die Kath. Kirche?

 

Über dieses Thema diskutierte die Lohner Senioren-Union mit Pater Karl Gierse OP aus Füchtel. Er trat 1991, fast vierzigjährig, als „Spätentschlossener“ in den Dominikanerorden ein und empfing am 13. Mai 2000 die Priesterweihe. Zunächst übernahm er für einige Jahre das Amt des Novizenmeisters in Worms, bevor er 2008 in den Konvent nach Vechta wechselte. 
Neben verschiedenen seelsorglichen Aufgaben unterrichtet Pater Karl am Kolleg St. Thomas die Fächer Deutsch und katholische Religion, er ist geistlicher Begleiter der Jungen Gemeinschaft im Offizialatsbezirk Oldenburg  und hat im Konvent das Amt des Suppriors inne. Außerdem ist er Seelsorger bei den Maltesern.

 

Pater Karl sprach die Personalsituation in der Kirche an und warum immer weniger junge Menschen  Priester werden wollten. „Die Kirche wird schrumpfen und verliert an Bedeutung, wird aber weiterhin Bestand haben“, sagte Pater Karl. Die Ökumene werde rasant fortschreiten. Die Priesterweihe für Frauen sei noch viel zu früh. Er könne sich aber Frauen als Diakone vorstellen, als Ansprechpartner in den zusammengelegten Kirchengemeinden. Eine Zusammenlegung der Bistümer – um Verwaltungskosten zu sparen – hielt er für nicht gut. Sie seien dann viel zu groß.

Einen breiten Raum nahm natürlich der Missbrauchsskandal in der kath. Kirche. In vielen Ländern ging das unsägliche System aus Verdrängung und Vertuschung einfach weiter. Erst öffentlicher Druck und das mutige Zeugnis der Opfer zwangen den Vatikan zu drastischen Reaktionen. Erst vor wenigen Tagen hatte Papst Franziskus den ehemaligen Washingtoner Kardinal Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen – im Kirchenrecht die absolute Höchststrafe, das die Seelsorge und selbst das Tragen von Priesterkleidung verbietet. Zuvor hatte er ihn allerdings trotz Warnungen rehabilitiert und sogar befördert. Der Missbrauchsskandal zeigt, dass sich viele Verantwortliche in der Kirche, vornehmlich die Bischöfe, in der Vergangenheit als nicht fähig erwiesen haben, die Kirche gemäß dem Evangelium zu leiten und vor Schaden zu bewahren. Viele haben sich geweigert, sämtliche Originalakten der Aufarbeitungskommission zur Verfügung zu stellen. Namen wurden geschwärzt, oder gezielt vernichtet. Kardinal Woelki wählte eine aufsehenerregende Geste und beendete seine kurze Predigt im Fuldaer Dom mit einem fünf Minuten langen Schweigen, anstatt aufzuklären. In vielen Fällen, so ein Teilnehmer, wolle man mehr Täter als Opfer schützen und nehme es mit der Bestrafung der Täter nicht so genau. Man betone immer: Auch Täter haben Rechte.  Die Kirche habe seit 2000 Jahren Moral gepredigt, aber im 20. Jahrhundert bei sich selbst so bitter und grundlegend versagt. Ein weiterer Teilnehmer  sagte: „Jesus hat einmal gesagt, wer sich an den Kindern verginge, für den wäre es besser, wenn man ihn mit einem Mühlstein um den Hals ertränken würde.“ Von dieser Methode hielt Pater Karl nicht viel, denn es wäre ja Mord.

Der Vorsitzende Friedhelm Heckmann bedankte sich bei Pater Karl für den Vortrag und für die  offene Diskussion.

Text: Clemens Haskamp

Fotos von Angelika Friemel und Franz-Josef Lange

 

 
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aktualisiert von Gisbert Dödtmann, 15.03.2019, 09:42 Uhr
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